BOS-Trainingszentrum TCRH Mosbach

BOS-Trainingszentrum TCRH Mosbach

BOS-Trainingszentrum TCRH Mosbach

Ehemalige Neckartalkaserne wird weiter für Ausbildung und Training von Blaulicht-Organisationen ertüchtigt. Südwest-Polizei übt künftig in Mosbach besondere Einsätze

Ehemaliges Sportfeld wird zur Trainings-Anlage für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS-Organisationen)

Unzählige Tropfen Schweiß und wohl auch die ein oder andere Träne sind hier vergossen worden. Früher, als das Areal noch eine Kaserne war und am Waldrand die Sportanlage mitsamt Tartanbahn und Fußballfeld zu ausdauernden Leistungsvergleichen einlud. Der einst gepflegte Rasen ist längst verschwunden, die Laufbahn drumherum ebenso. Aktuell präsentiert sich das ehemalige Sportfeld als riesige Baustelle. Trainiert werden soll hier allerdings schon bald wieder. Statt Fußball und Ausdauerläufen werden künftig „komplexe Einsatzlagen“ geübt: Unter Regie des Training Center Retten und Helfen (TCRH) entsteht auf dem Areal der ehemaligen Neckartalkaserne das „Zentrale Trainingszentrum der Polizei Baden-Württemberg“, kurz ZTZ Mosbach.


Seecontainer bilden urbanes Szenario nach

Dass es sich dabei nicht um eine 08/15-Einrichtung handelt, wird schon beim ersten Blick auf das Baufeld deutlich: Seit Mitte Oktober sind dort rund 30 Mann des Bauunternehmens Leonhard Weiss eifrig zugange, mithilfe von reichlich schwerem Gerät wurden die Fundamente der außergewöhnlichen Trainingsstätte inzwischen gelegt. 118 an der Zahl sind es, sauber verteilt auf dem Übungsareal und aus jeweils zwölf Kubikmetern Beton geformt. Auf die massiven Klötze werden später insgesamt 270 Seecontainer aufgelegt, mit denen dann wiederum die einzelnen Übungsszenarien, also die genannten komplexen Einsatzlagen, kreiert werden können.


Nutzung vorhandener Ressourcen vermeidet Verkehrsbelastungen

Bereits im Untergrund verbaut haben Polier Marko Graff und sein umtriebiges Team mehr als einen halben Kilometer Entwässerungsleitungen, „mit drei verschiedenen Strängen und 15 Schächten, die auch als Puffer bei Starkregenereignissen dienen“, wie Graff konkretisiert. Das „komplett durchnässte“ alte Baufeld habe man zuvor abgeschoben und mittels Kalk-Zement-Einbringung für kommende Aufgaben fit, sprich: tragfähiger gemacht. Dabei sei man möglichst nachhaltig und ressourcenschonend vorgegangen, betont der Polier. Und zeigt dazu passend zwei kleine Tümpel am Rand der Baufläche, die man bewusst erhalten habe und mithilfe von Trockenmauern (die Steine stammen nahezu vollständig vom Gelände) absichere.


Gleisanlage und Boulevard bildet innerstädtische Einsatz-Situationen nach

Die Fläche, die man daneben für das Trainingscenter befestigt, ist dennoch enorm: Auf rund 14.000 Quadratmetern werden die einzelnen Übungsabschnitte hergestellt, in denen ein Amoklauf ebenso simuliert werden kann wie eine Geiselnahme oder ein Banküberfall. Unterbrochen wird die Containerstadt von zwei Gleissträngen. Auch die werden später natürlich für die Übungen genutzt. „Gebaut sind sie aber so, dass da ganz normaler Zugverkehr drauf laufen könnte“, verdeutlicht Ronny Hoffmann, der Gleisbau-Polier vor Ort, dass die Simulationsgleise genauso exakt ausgeführt werden wie „echte“. Gleiche Präzisionsansprüche legen auch die Hochbauer der Weiss-Truppe an: Auf „maximal einen Zentimeter“ beziffert Ralf Werner die Höhendifferenz der 118 Auflageflächen für die Seecontainer. „Wir sind eben genau und schnell“, fasst Marko Graff schmunzelnd zusammen. Tempo muss man auch machen, schließlich sollen Teile der Anlage im Frühjahr in Betrieb gehen.


Ausbildung und Training für Feuerwehr, THW, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Polizei

„Die Jungs schaffen das, da hab’ ich keine Bedenken“, gibt sich Jürgen Schart zuversichtlich, dass aus der Baustelle zeitnah eine Trainingsstätte wird. Der Präsident des Bundesverbands Rettungshunde (BRH), zu dem das TCRH als Bauherr der Anlage gehört, skizziert die künftige Nutzung des Übungszentrums. So habe sich das Land für (mindestens) zehn Jahre eingemietet, um vor allem die Polizei auf dem Hardberg in Neckarelz die besonderen Einsatzlagen trainieren zu lassen. Neben der Polizei stehe die Anlage aber auch anderen Blaulichtorganisationen für Trainingszwecke zur Verfügung, so Schart. Die Baukosten für das Projekt „Urban“ (so der offizielle Titel des Hausherren) gibt man vonseiten des TCRH mit einem „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ an.


Organisations- und fachdienstübergreifende Zusammenarbeit steht im Vordergrund

„Durch die Errichtung vielzähliger Trainingsmöglichkeiten werden optimale Bedingungen vor Ort geschaffen, um künftig unterschiedlichste Trainingsszenarien durchführen zu können. Im Mittelpunkt des Bauprojekts steht neben dem Einsatztraining der Polizei die übergreifende Zusammenarbeit von Blaulicht-Organisationen zur Bewältigung komplexer Einsatzlagen“, erklärt Renato Gigliotti, Sprecher des Landes-Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration, zum Hintergrund des ZTZ Mosbach.


Die Polizei Baden-Württemberg gehe nach aktuellen Planungen von bis zu 60 möglichen Teilnehmern pro Übungstag auf der TCRH-Anlage aus, so der Sprecher weiter. „Noch in der Planung befindet sich eine Raumschießanlage mit Funktionsräumen in der Nähe des ehemaligen Sportplatzes“, ergänzt Gigliotti eine RNZ-Anfrage zu weiteren Vorhaben auf dem weitläufigen Gelände, das im Konversionsprozess an das Mosbacher Entsorgungsunternehmen Inast übergegangen ist. Einen konkreten Termin für die Umsetzungsphase gebe es hier noch nicht, bestätigt auch Jürgen Schart.

„Perspektivisch sind auf dem Areal des ZTZ Mosbach weitere Baumaßnahmen denkbar“, verdeutlicht derweil Renato Gigliotti, dass der Trainingsstätte für die komplexen Einsatzlagen weitere Projekte ähnlicher Art folgen könnten.


Planer und Bauunternehmen leisten großartige Arbeit für eine wichtige Sache

Auf das aktuell in Arbeit befindliche Vorhaben sind auch diejenigen stolz, die es entstehen lassen: „Es ist schon eine besondere Baustelle“, sagt Marko Graff: „Auch wenn es eigentlich traurig ist, dass es überhaupt solche Einsatzlagen gibt und man sie inzwischen üben muss.“ Kluge Worte – mit denen sich der Polier aber nicht allzu lange aufhält. Auf der außergewöhnlichen Baustelle soll es schließlich besonders schnell und so genau wie gewohnt weitergehen.

Quelle (Text und Bild): Rhein-Neckar-Zeitung, Heiko Schattauer, https://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-trainingszentrum-neckarelz-suedwest-polizei-uebt-besondere-einsaetze-kuenftig-in-mosbach-_arid,602311.html


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